Jede Suchanfrage verrät etwas über die Person, die sie stellt – Interessen, Sorgen, Kaufabsichten, manchmal Gesundheitsfragen. Bei einer Suchmaschine mit Milliarden Nutzern summiert sich das zu einem enormen Datenbestand. Ein Blick auf die eigene Datenschutzerklärung von Google und auf die Alternativen zeigt, wie unterschiedlich Suchmaschinen mit diesen Daten umgehen – und was das für Unternehmen und Privatpersonen praktisch bedeutet.
Was Google laut eigener Datenschutzerklärung sammelt
Google beschreibt in seiner Datenschutzerklärung selbst, welche Daten bei der Nutzung der Suche anfallen: die Suchbegriffe, eindeutige Kennungen, Browser-Typ und Betriebssystem, die IP-Adresse sowie – sofern verfügbar – Standortdaten wie GPS-Werte. Bei angemeldeten Nutzern wird der Suchverlauf im Konto gespeichert, sofern der entsprechende Aktivitätsverlauf aktiviert ist. Google nennt als Verwendungszweck ausdrücklich, dass je nach Einstellungen "auf Ihre Interessen und Aktivitäten in Google-Diensten bezogene personalisierte Werbung" ausgespielt wird. Das ist kein Vorwurf, sondern schlicht das Geschäftsmodell: Google finanziert sich über Werbung, und personalisierte Werbung ist wertvoller als nicht-personalisierte.
Für Unternehmen, die Wert auf Datensparsamkeit legen, oder für Privatpersonen, die möglichst wenig digitale Spuren hinterlassen möchten, lohnt sich deshalb ein Blick auf Suchmaschinen, die von vornherein anders konzipiert sind.
DuckDuckGo: Werbung ohne Personenbezug
DuckDuckGo wirbt seit Jahren mit dem Verzicht auf Nutzer-Tracking und legt das auch in der eigenen Datenschutzerklärung offen: "We don't save or share your search, chat, or browsing history when you search on DuckDuckGo." IP-Adressen und andere eindeutige Kennungen würden nicht zusammen mit Suchanfragen gespeichert, und man logge grundsätzlich keine IP-Adressen, die auf eine Person zurückführbar wären. Das Geld verdient DuckDuckGo laut eigenen Angaben trotzdem über Werbung – allerdings kontextbasiert: Die Anzeige richtet sich nach dem Inhalt der jeweiligen Ergebnisseite, nicht nach einem Nutzerprofil. Die Suchergebnisse selbst stammen überwiegend von Microsoft Bing, kombiniert mit eigenen Quellen.
Startpage: Google-Ergebnisse ohne direkten Kontakt zu Google
Startpage verfolgt einen technischen Sonderweg: Die Suchanfrage wird über einen eigenen Proxy-Server an Google weitergereicht, ohne dass Google die IP-Adresse oder sonstige identifizierende Merkmale des Nutzers erhält. Ergänzend bietet der Dienst mit "Anonymous View" eine Funktion, um verlinkte Seiten zu besuchen, ohne dass diese Seiten die eigene IP-Adresse sehen. Das Unternehmen wirbt entsprechend mit Google-Ergebnissen bei deutlich reduzierter Datenweitergabe.
Kontexthinweis zur Einordnung: Startpage gehört inzwischen mehrheitlich zu System1, einem US-amerikanischen Adtech-Unternehmen – ein Umstand, der seit der Übernahme 2019/2020 in der Fachpresse und von Datenschutzorganisationen kritisch kommentiert wurde, da System1 selbst im Werbegeschäft tätig ist. Wer Startpage nutzt, sollte diesen Eigentümerwechsel kennen und die aktuelle Datenschutzerklärung des Anbieters selbst prüfen, statt sich allein auf das Marketingversprechen zu verlassen.
Brave Search: eigener Index statt fremder Suchmaschine
Brave Search betreibt, anders als DuckDuckGo, einen eigenen unabhängigen Web-Index und ist damit nicht auf Ergebnisse von Google oder Bing angewiesen. Laut eigener Datenschutzerklärung erhebt der Dienst standardmäßig keine personenbezogenen Daten über Nutzer, Gerät oder Suchanfragen; IP-Adressen, die etwa zur Bot-Erkennung kurzzeitig verarbeitet werden, würden nach Angaben des Anbieters innerhalb von Sekunden wieder gelöscht statt dauerhaft gespeichert. Für einzelne Zusatzfunktionen wie die KI-gestützte Antwortfunktion "Ask Brave" gelten abweichende, ebenfalls in der Datenschutzerklärung beschriebene Speicherfristen.
Ecosia: Werbeeinnahmen fließen in Baumpflanzungen
Ecosia kombiniert eine datensparsame Suche mit einem ungewöhnlichen Geschäftsmodell: Nach eigenen Angaben fließt der überwiegende Teil der Werbeeinnahmen in Baumpflanzprojekte. Rechtlich abgesichert ist das über eine sogenannte Steward-Ownership-Struktur – das Unternehmen hat vertraglich und dauerhaft festgeschrieben, dass es nicht verkauft und keine Gewinne an Einzelpersonen ausgeschüttet werden können. Für die Suche selbst nutzt Ecosia überwiegend die Ergebnisse von Microsoft Bing, ergänzt um eigene Datenschutzmaßnahmen bei der Verarbeitung von Suchanfragen. Wer die Auswahl der Suchmaschine auch als Frage der Unternehmensethik betrachtet, findet hier ein Modell, das offen dokumentiert ist.
Worauf es bei der Auswahl wirklich ankommt
Nicht jede als "privatsphärefreundlich" beworbene Suchmaschine hält, was das Marketing verspricht. Aus der Beratungspraxis heraus lohnt sich vor der Nutzung ein kurzer Realitätscheck:
- Wird tatsächlich keine IP-Adresse gespeichert oder nur nicht "mit dem Namen" verknüpft? Beides wird in der Werbung oft gleich klingend formuliert, ist rechtlich und faktisch aber ein erheblicher Unterschied.
- Wo sitzt der Anbieter, und wem gehört er? Ein Sitz in der EU ist kein Selbstzweck, kann aber die Anwendbarkeit der DSGVO und die Zuständigkeit einer europäischen Aufsichtsbehörde erleichtern.
- Woher stammen die Suchergebnisse tatsächlich? Viele vermeintliche Alternativen greifen technisch auf den Index von Google oder Microsoft Bing zurück und unterscheiden sich vor allem in der Datenverarbeitung, nicht im Ergebnis.
- Wie aktuell ist die Datenschutzerklärung, und wurde der Anbieter zwischenzeitlich verkauft oder umstrukturiert? Ein Blick auf das Impressum und die letzten Änderungen lohnt sich.
Ergänzende Maßnahmen für weniger digitale Spuren
Die Wahl der Suchmaschine ist nur ein Baustein. Wer die eigene Datenspur insgesamt reduzieren möchte, ergänzt sie sinnvollerweise um einen Browser mit eingebautem Tracking-Schutz oder eine Browser-Erweiterung gegen Werbe- und Analyse-Tracker sowie, je nach Bedarf, ein VPN zur Verschleierung der eigenen IP-Adresse gegenüber Websites und Netzbetreibern. Wichtig dabei: Auch ein VPN-Anbieter sieht den eigenen Datenverkehr und verlagert das Vertrauensproblem lediglich von der Suchmaschine zum VPN-Betreiber – auch hier lohnt ein Blick auf dessen Datenschutzerklärung und Firmensitz.
Fazit
Eine perfekte, für jeden gleich richtige Suchmaschine gibt es nicht – wohl aber eine bewusste Entscheidung, die von den eigenen Anforderungen an Datenschutz, Ergebnisqualität und Vertrauen in den jeweiligen Anbieter abhängt. Wer im geschäftlichen Umfeld ohnehin bereits ein Datenschutzkonzept umsetzt, sollte diese Überlegung konsequent auch auf die im Unternehmen standardmäßig eingesetzten Such- und Browserwerkzeuge ausweiten und das Ergebnis in der eigenen TOM-Dokumentation festhalten.
Sie möchten wissen, welche Tools und Voreinstellungen in Ihrem Unternehmen datenschutzkonform sind? Lassen Sie es uns gemeinsam prüfen.
Jetzt Erstgespräch vereinbarenQuellen
- Google: Datenschutzerklärung (offizielle Fassung)
- DuckDuckGo: Privacy Policy (offizielle Fassung)
- Brave Search: Privacy Notice (offizielle Fassung)
- Wikipedia: Startpage – Funktionsweise und Eigentümerstruktur
- CyberInsider: Startpage Acquired by System1, Privacy One Group – Still Safe?
- Ecosia: "Trees not profits" – Steward-Ownership-Struktur (offizieller Blog)